1. Swiss Coaching Day in Bern – Ein Rückblick

Ein Tag voller Inspiration und Erkenntnisse für die Zukunft der Coaching-Branche

Am 17. April 2024 lud der Branchenverband SCA (Berufsverband professionell arbeitenden Coaches und betrieblichen Mentor:innen) zu einem spannenden und äusserst gut besuchten Branchen-Tag ein.
Am Morgen fand die GV der SCA statt, begleitet von einem Workshop-Rahmenprogramm. Am Nachmittag folgten 4 Keynotes.

Claudia Lässer – Impulsreferat über positives Leadership

Voller positiver Energie startete Claudia Lässer (CPO Blue Sport & News) – selbst betriebliche Mentorin in ihrem Impulsreferat über positives Leadership. Sie hat uns nicht nur den amerikanischen Psychologen Martin Seligman und die Ansätze seines PERMA Models näher gebracht, sondern gab uns konkrete Anstösse zur Reflexion und Veränderung des eigenen Führungsverhaltens mit:

  • Gestaltung der Mitarbeiter (Team) Führung mittels optimistischem Ansatz. Positiv-konstruktivistische Gedankenführen zu besseren Resultaten.
  • Die Beantwortung des persönlichen WHY (Sinnhaftigkeit seines Tuns) als Commitment für den gemeinsamen Erfolg.
  • Die eigene Positivität ist motivierend und Antrieb für ein ganzes Team.
    Mit dem iPünktchen ihres Impulsvortrages – einer Performancesteigerung durch positive und motivierende Feedbacks – übergab sie das Wort an Felix Hunger (Pfarrer, Coach, Organisationsberater).

Felix Hunger – «ich feedbacke, also bin ich»

Sein Referat war ein eigentliche Inspirationsquelle aus seinem vielfältigen Berufsalltag. Er ist eine faszinierende Persönlichkeit, welcher den Coach, den Organisationsberater und die Berufung als Pfarrer unter einen Hut bringt. Spannend, wie er uns aufforderte, über das Feedback-Geben nachzudenken.

  • Wurde unsere Feedbackkultur nicht plötzlich zur Alibiübung?
  • Sind wir sicher, dass es im Moment adäquat und gewünscht ist?
  • Ist es sachlich und zielführend?

Er entliess uns mit einem Gedanken, der wohl nicht nur für mich ein nährender Input war:

  • wenn das Feedback ein nährenden Aspekt (to feed) bekommt, hilft es dem Gegenüber, uns als Mensch und Führungsperson, letztlich aber der ganzen Organisation, sich weiterzuentwickeln und zu wachsen.

Kaum wurde der Feedbackgebende Redner mit grossem Applaus verabschiedet, stand Dirk Eilert voller Mimik und starker Präsenz auf der Bühne.

Dirk Eilert – Ausführungen zu “Sehen was nicht gesagt wird”

Mit seinen Ausführungen legte er uns seine wissenschaftlich fundierten Ansätze von „Face-Reading“ dar:

  • Jeder 3 Gesichtsausdruck wird falsch interpretiert oder nicht wahrgenommen. Ohne einen geschärften Blick nehmen wir kleine und feine Signale nicht wahr und verspielen so eine Chance, das Gegenüber wahrzunehmen und zwischen den Zeilen zu lesen.

Das limbische Nervensystem ist schneller als der Verstand. Die Emotion steht uns schneller im Gesicht und dadurch vielfach auch widersprüchlich zu den folgenden Worten. Seine Methoden schützen Veränderungsprozesse durch blockierende Emotionen, die uns manchmal buchstäblich im Gesicht zu lesen sind.
Ein wertvoller Gedanke hallt nach und regt zum Nachdenken an: Durch die Fähigkeit, nonverbale Signale zu erfassen, können wir nach einem gegebenen Feedback besser erkennen, ob unser Gegenüber durch das Gespräch motiviert ist oder bereits innerlich auf Pause steht.
Als 4. Speakerin folgte eine spannende Keynote von Dr. med. Barbara Hochstrasser.

Dr. med. Barbara Hochstrasser – Keynote zum Job-Demands-Resources-Modell

Trotz fortgeschrittener Zeit – es wurde still im Saal, als sie aus ihrem Berufsalltag in der Burnout-Klinik Meiringen sprach.

  • Job-Demands-Resources-Modell oder JDR-Modell (Arbeitstätigkeit-Anforderungen-Ressourcen-Modell“) als präventiver Ansatz zur Burnoutprophylaxe.

Ein Modell, das sie in ihrer Tätigkeit anwendet. Kurz zusammengefasst, versucht das theoretische Rahmenmodell vorherzusagen, welche Merkmale der Arbeit positive oder negative Einflüsse auf das Wohlbefinden und die Motivation der Arbeitnehmenden haben. Zudem zeigt sie uns anhand einer Studie von Schaufell, Bakker & an Rehen – “How changes in job demands and resources predict burnout and work engagement“ – welcher Zusammenhang zwischen Job-Anforderungen und Job-Ressourcen besteht.
Wenn es darum geht, die Anforderungen weniger energieaufwendig zu gestalten, sollten wir den Fokus verstärkt auf die Ressourcen legen. Dabei spielen Hilfestellungen, Weiterbildung, Kommunikation und Sinnhaftigkeit eine entscheidende Rolle. Ein ausgewogenes Gleichgewicht zwischen den Anforderungen und den zur Verfügung stehenden Ressourcen ist entscheidend, um Burnout vorzubeugen und das allgemeine Wohlbefinden zu fördern.

In einer abschliessenden Podiumsdiskussion zum Thema “Coaching Heute – KI Morgen” diskutierten Experten Felix Hunger (Coach & Pfarrer), Esther Niffenegger (Leiterin Die Post Logistics Mitte), Jürg Eggenberger (Co-CEO Swissleaders) und Anna Gilgen (CEO Worklink) über die Zukunft des Coachings in Zeiten der Künstlichen Intelligenz. Besonderes Augenmerk wurde auf den Einsatz von Chatbots gelegt, die dazu beitragen könnten, arbeits-emotionale Aspekte besser zu reflektieren und individuelle Bedürfnisse der Klienten zu unterstützen. Es wurde betont, dass sich die Coaching-Branche angesichts des zunehmenden Einsatzes von KI-gestützten Tools, insbesondere im Recruiting-Prozess, intensiv mit den Potenzialen und Herausforderungen der Künstlichen Intelligenz auseinandersetzen muss, um weiterhin effektive Unterstützung für ihre Klienten bieten zu können.

Bis zum nächsten Jahr – hoffentlich!

Diesen Rückblick auf den 1. Swiss Coaching Day möchte ich mit dem Gedankenimpuls eines Workshop des Rahmenprogramms der gleichzeitig stattgefundenen GV des SCA teilen: Was bringt einen Mehrwert für die Klienten – Konkurrenz oder kooperatives Wirken? Der Tag war gefüllt mit inspirierenden Gesprächen – nicht nur in den Workshops – über unsere Branche und wie wir durch Zusammenarbeit und gegenseitige Unterstützung einen echten Mehrwert für unsere Klienten schaffen können.

In diesem Sinne freue ich mich auf weitere solche Veranstaltungen, voller Dialoge und vertiefenden Gespräche. Lasst uns gemeinsam viele solcher Tage organisieren, um wertvolle Diskussionen und Ideen zur Verbesserung unserer Branche zu nutzen.

Abschliessend möchte ich mich für die fantastische Arbeit der Organisator:innen von der Swiss Coaching Association (Vorstand SCA und vielen Helfenden) für diesen grossartigen Tag bedanken. Ihr habt wirklich ganze Arbeit geleistet.

Für den Vorstand V-P-T – Martin Rohner