Abonnieren Sie unseren
Newsletter

Christoph Schnitter hätte doppelt so viel Zeit gebraucht. Nicht weil er zu viel redete — sondern weil er schlicht zu viel Wertvolles zu sagen hatte. Wer selbst ADHS hat, weiss: Anfangen fällt leicht. Aufhören ist die eigentliche Kunst. Und so blieb die zweite Hälfte seiner Präsentation — voller spannender Themen — diesmal noch ungehört.
Christoph sprach nicht aus der Theorie — er sprach aus dem Leben. Gleich zu Beginn machte er klar: Alles was er teilt, kommt aus eigener Erfahrung mit seiner ADHS-Diagnose. Unterdessen hat er vieles auch selbst erforscht und dokumentiert — aber die Basis bleibt das gelebte Erleben. Das spürt man. Und das macht den Unterschied. Er zeigte uns, dass ADHS kein Defizit ist, sondern ein anderes Betriebssystem — mit Kreativität, Feinfühligkeit, Willenskraft und Begeisterungsfähigkeit als echten Ressourcen. Und wer als Aushebungsoffizier einst meinte, Herr Schnitter werde es nicht weit bringen im Militär, hat zumindest eines richtig eingeschätzt: Reden kann er. Sehr gut sogar. Mit Sprache und Kommunikation hat er seinen Weg gefunden — als Funker hat er damals angefangen, heute begleitet er Menschen, Familien und Schulen mit eben dieser Stärke.
Besonders in Erinnerung blieb uns der Moment, als er den Konflikt im Schulsystem plastisch auf den Tisch legte: Eine Bewegungspause für ein Kind mit ADHS — und schon melden sich Eltern, die wissen wollen, warum ihre Kinder diese Zeit nicht mit Stoffvermittlung verbringen. Warum wegen eines einzelnen Kindes der ganze Unterricht unterbrochen wird. Genau hier scheitert es oft an Kommunikation — nicht an gutem Willen. Inklusion funktioniert nicht einfach so. Sie braucht Hintergrundwissen, Rücksichtnahme und eine gemeinsame Haltung aller Beteiligten. Eine Pause ist keine verlorene Zeit — für niemanden. Für ein Kind mit ADHS ist sie schlicht die Voraussetzung dafür, dass Lernen überhaupt möglich wird. Wer zwischendurch Atemholen darf, kann danach mehr aufnehmen — nicht weniger.
Genauso wie sein SMART+ Modell: Ziele spezifisch, messbar, attraktiv, realistisch und terminiert formulieren — und dann das entscheidende Plus: nachfragen, kontrollieren, anpassen. Gerade für Menschen mit ADHS, die stark im Anfangen sind, ist dieses schrittweise Dranbleiben kein Makel, sondern die eigentliche Kunst. Und auch hier ist Kommunikation der Schlüssel — zwischen Betroffenen, Eltern, Lehrpersonen und Fachleuten. Und dann — zu früh — war die Zeit um. Selbstwert, Ehrlichkeit, Vertrauen, Respekt: Da wären wir sehr gerne noch hingegangen.
Wir werden Christoph bestimmt wieder einladen. Denn solche lebendigen Impulse wirken nach — und manchmal erkennt man im Spiegel eines anderen am deutlichsten, was man selbst mit sich trägt – auch ohne Diagnose.

Hypnose Therapeut werden – welche Möglichkeiten gibt es?