Die vielen Stimmen in uns: Innere Widersprüche als Stärke

Wie laut ist eigentlich der eigene innere Kritiker – und was will er von uns?

Beim V-P-T-Impulszirkel mit Nic Schweizer blieb diese Frage nicht lange theoretisch. Schon bald brachten die Teilnehmenden eigene Situationen ein, unterschiedliche innere Stimmen wurden hörbar – und aus einem Fachimpuls entwickelte sich ein lebendiger Austausch.
Nic Schweizer zeigte, dass solche inneren Widersprüche nicht einfach Hindernisse sind, die möglichst schnell beseitigt werden müssen. Sie können wertvolle Hinweise darauf geben, was uns wichtig ist, was wir schützen möchten und welche unterschiedlichen Bedürfnisse gleichzeitig in uns wirken.

Eine Stimme ist ein Teil von mir – nicht ich

Kritiker, Antreiber, Zweifler oder Beschützer: Nic machte anhand typischer innerer Stimmen sichtbar, dass selbst hinter einer unangenehmen oder bremsenden Stimme eine gute Absicht stehen kann. Der Kritiker möchte vielleicht Qualität sichern, der Zweifler Risiken prüfen, der Beschützer Verletzlichkeit oder Zugehörigkeit schützen. Problematisch wird es nicht dadurch, dass diese Stimmen da sind, sondern wenn eine von ihnen den inneren Dialog übernimmt.
Ein zentraler Gedanke des Abends lautete deshalb: «Ich habe innere Stimmen – aber ich bin nicht nur eine dieser Stimmen.» Wenn es gelingt, eine innere Aussage nicht mehr als unumstössliche Wahrheit, sondern als momentane Stimme oder Position wahrzunehmen, entsteht Abstand. Und mit diesem Abstand kann wieder Wahlfreiheit entstehen.

Was will diese Stimme eigentlich für mich?

Genau hier wurde der Impuls besonders lebendig. Nic blieb nicht bei der Theorie, sondern bezog die Teilnehmenden immer wieder ein. Konkrete Situationen aus der Gruppe wurden aufgegriffen und gemeinsam durchgespielt: Welche Stimmen melden sich? Was sagen sie? Was möchten sie möglicherweise schützen? Und was verändert sich, wenn nicht eine einzelne Stimme entscheidet, sondern auch die anderen gehört werden?
So entstand im Verlauf des Abends immer wieder Austausch – zwischen Nic und den Teilnehmenden, aber auch innerhalb der Gruppe. Aus einem Modell wurde eine unmittelbar erfahrbare Auseinandersetzung mit den eigenen inneren Stimmen.
Das Bild einer inneren Konferenz bringt vieles davon auf den Punkt: Die verschiedenen Stimmen dürfen sich zu Wort melden. Wir können ihnen zuhören und ihre Absicht verstehen. Aber wir müssen keiner einzelnen Stimme automatisch die Führung überlassen. Nics Prozess führt deshalb vom Wahrnehmen und Differenzieren über das Verstehen der jeweiligen Funktion hin zu einer Position, aus der die Person wieder selbst entscheiden kann.

Nicht widerspruchsfrei – sondern selbstbestimmt

Vielleicht liegt darin eine der wichtigsten Erkenntnisse dieses Abends: Selbstführung bedeutet nicht, alle inneren Widersprüche aufzulösen. Sie zeigt sich vielmehr darin, unterschiedliche innere Wahrheiten wahrnehmen und dennoch verantwortlich handeln zu können.

Wir danken Nic Schweizer für den praxisnahen und interaktiven Fachimpuls und allen Teilnehmenden für ihre Offenheit, ihre Beispiele und den lebendigen Austausch. Ein herzliches Dankeschön geht auch an unseren Bildungspartner AEON, in dessen inspirierenden Räumlichkeiten in Rheinfelden wir diesen Anlass vor Ort hybrid durchführen durften.

Lust auf neue Perspektiven, fachlichen Austausch und Impulse, die in die eigene Praxis hineinwirken? Entdecke die kommenden V-P-T-Impulszirkel und sei beim nächsten Mal dabei.