Impuls zur Stärkung der Mentalen Gesundheit
Abonnieren Sie unseren
Newsletter

Erschöpfte Menschen hören oft: Mach mal Pause. Sag doch einfach Nein. Schau genauer hin. Der Rat stimmt, aber die Reihenfolge nicht. Wer erschöpft ist, kann nicht reflektieren. Nicht, weil er nicht will, sondern weil das Nervensystem im Stressmodus ist. Zuerst braucht es Sicherheit. Nicht als Gedanke, sondern als Erfahrung. Erst danach wird Wahrnehmen möglich. Und erst wer wahrnimmt, kann wählen.
Darum beginne ich mit Ruhe: durch Bewegung, durch die Natur und durch ein Gegenüber, das bleibt.
Ich kenne das selbst. Die Methode, die heute nicht greift, kann in einigen Wochen genau die richtige sein.
Ich arbeite mit drei Säulen: Bewegung, Achtsamkeit und Gespräch. Die Reihenfolge ist kein Zufall. Glaubenssätze zu verändern und Zielbilder zu entwickeln sind gute Werkzeuge. Sie greifen aber erst, wenn jemand sie halten kann. Oft wird von erschöpften Menschen genau das verlangt, wozu Erschöpfung die Fähigkeit nimmt. Wenn es nicht funktioniert, halten die Betroffenen es für ihr eigenes Versagen. Deshalb beginne ich beim Körper. Ich gehe mit Menschen lieber, als dass ich ihnen gegenübersitze, und beziehe die Natur mit ein. Nebeneinander zu laufen nimmt Druck heraus. Über Atem und Körperwahrnehmung kommt jemand zurück ins Hier und Jetzt. Achtsamkeit hilft, eigene Warnsignale früher zu bemerken. Erst wenn Ruhe da ist, wird das Gespräch tragfähig.
Dass ich nicht in jeder Begleitung ein Ziel definiere. Das ist ungewöhnlich, weil Zielarbeit in fast jedem Coaching am Anfang steht. Aber ein Ziel zu formulieren heisst, zu wissen, wo man hinwill. Wer erschöpft ist, weiss das oft nicht, und die Frage danach erzeugt nur neuen Druck. Häufig ist der Wunsch nach Ruhe gross, und genau das wird zum Ziel, ob ausgesprochen oder nicht. Ich arbeite deshalb stark über die Wahrnehmung und beziehe den Körper mit ein. Viele Begleitungen finden draussen statt, weil die Natur einen Zugang öffnet, den ein Raum so nicht bietet. Dieselbe Haltung trage ich in die pferdegestützte Begleitung, die ich gerade aufbaue. Pferde reagieren auf das, was da ist, ohne zu bewerten. Das erreicht Menschen dort, wo Worte nicht hinkommen
Am meisten berührt mich der Moment, in dem jemand zum ersten Mal wieder spürt, was er eigentlich will. Nicht denkt, sondern spürt. Das geschieht oft leise und ist trotzdem der Punkt, an dem sich etwas dreht. Diesen Moment mitzuerleben, gibt mir mehr zurück, als ich erwartet hätte. Was mir selbst Kraft gibt, ist Bewegung und Natur. Die Berge, das Klettern, im Sommer das Beachvolleyballfeld. Und das Tanzen, das für mich der Ort ist, an dem ich loslassen und meinen Körper sprechen lassen kann. Dort finde ich Leichtigkeit und neue Ideen für alles, was mir wichtig ist. Auch die Pferde spielen in meinem Leben eine bedeutende Rolle. Sie erinnern mich jedes Mal daran, dass Begegnung nichts mit Leistung zu tun hat, sondern mit Aufmerksamkeit.
Mein beruflicher Weg begann im Verkauf. Dort merkte ich schnell, dass verkaufspsychologische Ansätze nicht zu meiner Haltung gegenüber Menschen passen. Auf der Suche nach einem anderen Zugang absolvierte ich die Ausbildung zur Betrieblichen Mentorin mit eidg. Fachausweis. Parallel begleitete ich in einer Stiftung Menschen mit Beeinträchtigung. Weil ich fachlich tiefer gehen wollte, folgten Mental Coach, NLP und Hypnose. Aktuell absolviere ich die Ausbildungen zur Sozialpädagogin HF und zur pferdegestützten Therapeutin. Meine eigene Burnout-Erfahrung verstärkte den Wunsch, genau in diesem Bereich schon früher anzusetzen und Präventionsarbeit zu leisten. Ich weiss heute aus eigenem Erleben, wie lange man funktionieren kann, bevor man merkt, dass etwas nicht mehr stimmt.
Ja, und die inneren waren die grösseren. Es gab eine Zeit, in der ich nicht mehr überlegen konnte. Ich sass vor einer Mail an meinen damaligen Arbeitgeber und brachte es nicht fertig, den Anhang anzuhängen. So klein war die Aufgabe, und so überfordert war ich. Auf dem Weg zurück haben mich einige gute Menschen begleitet, wofür ich sehr dankbar bin. Die Veränderung kam erst mit der Zeit, die ich mir selbst geschenkt habe. Ich war ausserdem jahrelang die Person, mit der alles unkompliziert war. Nicht wütend, kaum traurig und zu oft angepasst. Wer so gelernt hat zu funktionieren, tut sich schwer damit, sichtbar zu werden und zu sagen: Das kann ich, und das bin ich. Der Weg zurück war intensiv. Ich musste mein Weltbild hinterfragen und lernen, Grenzen zu setzen.

Wenn der Kopf das Gewicht hält