Rückblick | 3. Swiss Coaching Day 2026 — der Tag im Überblick

Rückblick 3. Swiss Coaching Day in Bern

Wer die beiden vorangegangenen Beiträge gelesen hat, kennt bereits zwei Höhepunkte des 23. April in Bern: die Mitgliederversammlung und den Impuls-Workshop mit Dr. med. Suzanne von Blumenthal. Doch der Tag bot mehr — und verdient einen Blick auf das Gesamtbild.

Eine Branche, die zusammenkommt

Der Swiss Coaching Day existiert seit drei Jahren — initiiert von der Swiss Coaching Association mit dem Ziel, der Coaching-Branche in der Schweiz einen gemeinsamen Begegnungsraum zu geben. Dass dieser Anlass wächst und heute über 200 Fachpersonen aus Coaching, Mentoring, Beratung und Training anzieht, zeigt: das Konzept trägt.

Die massgeblichen Schweizer und internationalen Berufsverbände sind als Partner mit dabei — ICF, BSO, EMCC Switzerland, Swiss Trainers & Coaches, CH-Q und der V-P-T — ergänzt durch Bildungspartner und Ausbildungsinstitutionen. Eine Branche, die sonst in vielen einzelnen Formaten und Nischen arbeitet, findet hier einen gemeinsamen Raum. Das ist kein Selbstverständnis.

Drei Keynotes — drei Perspektiven

Hans Rupp vom Amt für Arbeit des Kantons Zürich zeigte, wie betriebliches Mentoring in der öffentlichen Arbeitsvermittlung konkret wirkt: ressourcenorientiert, beziehungsbasiert, mit dem klaren Ziel, Menschen wieder in die eigene Handlungsfähigkeit zu bringen. Mentoring als Investition in Selbstwirksamkeit — nicht als Verwaltungsakt, sondern als echte Begleitung.

Dr. Oliver Schumann, Sportpsychologe und erfahrener Keynote-Speaker, zog einen erhellenden Vergleich zwischen Sportcoaching und Businesscoaching. Was beide verbindet: Es geht nicht darum, Antworten zu liefern — sondern darum, im richtigen Moment das Richtige wahrzunehmen. Wann ist jemand aufnahmefähig? Wie wird gerade kommuniziert — und wie sollte kommuniziert werden? Ein Coach, der das erkennt und entsprechend handelt, schafft Wirkung. Diese Wahrnehmungs- und Kommunikationskompetenz ist kein Nebenprodukt guter Ausbildung — sie ist ihr Kern.

Stefan Wyer, Strategieberater und selbst als Interimsmanager tätig, plädierte für einen Verbund von Unternehmensberatern, Interimsmanagern und betrieblichen Mentoren. Sein Argument: Bei grossen Umwälzungen und Change-Prozessen verlassen oft jene die Firma, die am längsten dabei sind — und über den wertvollsten Erfahrungsschatz verfügen. Um diese Menschen zu halten, braucht es Begleitung, die nah dran ist. Nicht die Unternehmensberatung, nicht die GL, nicht das HR — sie alle sind systemisch beteiligt und werden als solche wahrgenommen. Der externe betriebliche Mentor steht ausserhalb des Systems. Ohne Agenda. Ohne Hierarchie. Und genau das schafft den Raum, in dem echte Entwicklung möglich wird.

Das Thema, das den Tag durchzog

Unterschwellig — und manchmal ganz offen — war KI präsent. Kann sie den Coach ersetzen? Die Branche beantwortet diese Frage nicht mit Abwehr, sondern mit Haltung: Sie investiert in Ausbildung, in Qualitätsstandards, in Professionalität. Was Coaches, Mentorinnen und betriebliche Mentoren leisten, gründet auf Beziehung, auf Präsenz, auf dem Vermögen, einen Menschen wirklich wahrzunehmen — im richtigen Moment, auf die richtige Weise. Das lässt sich nicht automatisieren.

Warum es sich lohnt

Solche Tage sind mehr als Weiterbildung. Sie sind ein Signal — an die Branche selbst und nach aussen. Dass Professionalität nicht selbstverständlich ist, sondern erarbeitet und gemeinsam getragen wird. Dass Austausch unter Fachpersonen Inspiration freisetzt, die im Einzelbüro nicht entsteht. Und dass eine Gemeinschaft, die gemeinsam für Standards einsteht, mehr bewirkt als jede einzelne Stimme für sich.

Save the Date

Der nächste Swiss Coaching Day findet am 29. April 2027 in Bern statt. Für alle, die Coaching professionell prägen, entwickeln und sichtbar machen wollen.